Das neue Jahr bringt in der Prozessfinanzierung spannende Entwicklungen. Volker Knoop, Vorstand der FORIS AG, erklärt die wesentlichen Erwartungen für 2020.

 

Bonn | 22. Januar 2020 – Klar ist: Die Prozessfinanzierung ist mittlerweile in der Welt der Wirtschaftsanwälte, Großkanzleien, Litigation-Boutiquen und ihrer Mandanten angekommen. Doch was können Unternehmen und Anwälte 2020 erwarten? Wird es für Kunden teurer oder günstiger, Kostenrisiken abzugeben? Wird es auf Finanziererseite wenige internationale Player geben oder viele kleine wie derzeit (noch) in der Legal-Tech-Branche? Welche neuen Produkte wird es geben?

 

Weiteres dynamisches Marktwachstum

Der Markt für Prozessfinanzierung wird national und international weiter dynamisch wachsen, sowohl getrieben durch Innovationen und neue Produktansätze als auch durch ein wachsendes Anbieterfeld. Für Unternehmen, die ihre Kostenrisiken aus Rechtsstreitigkeiten besser managen wollen, kommen neue Ansätze zur klassischen Prozessfinanzierung hinzu. Dazu werden finanzierungsspezifische Lösungen wie das Portfolio-/ Defense-/ oder Seed-Funding ebenso gehören wie finanzierungsfremde Lösungen, etwa (außergerichtliche) Verhandlungsbegleitungen oder das Case Management, das – anders als viele Prozessanwälte – nicht mehr nur den isolierten Prozesserfolg im Auge behält, sondern auch unternehmerische Aspekte der kosteneffizienten Bearbeitung des gesamten Streitportfolios im Kontext einer übergeordneten Unternehmensstrategie.

Natürlich gibt es einige dieser Lösungen in der einen oder anderen Form schon jenseits der Prozessfinanzierung – etwa als anwaltliches Zusatzangebot oder als externe Softwarelösung. Allerdings haben diese Lösungen oftmals einen Haken, denn kaum einer dieser Anbieter verdient seine Vergütung nur, wenn es dem Mandanten finanziell messbar genutzt hat. Prozessfinanzierer hingegen arbeiten in der Regel ausschließlich oder überwiegend erfolgsbasiert. Die Besonderheit ihres Geschäftsmodells ermöglicht ein ‚Value Pricing‘: Nur dort, wo messbarer Nutzen geschaffen (und nicht nur versprochen) worden ist, verdient der Prozessfinanzierer. Auch das Anbieterfeld wird sich verändern. Die steigende Nachfrage auf Seiten der Unternehmenskunden zieht neue Prozessfinanzierer und Investoren und damit Kapital an. Neben Start-up-Teams und Anwaltskanzleien mit ‚angeschlossener’ Prozessfinanzierung suchen zunehmend Finanzinvestoren, Hedge Funds, institutionelle Anleger, Family Offices und Private Equity nach dem richtigen Einstiegsvehikel. In Zeiten von Niedrig- und Strafzinsen sowie einem Wirtschaftszyklus der beginnenden Restrukturierungswelle stellt die Prozessfinanzierung mehr denn je eine reizvolle Branche für Investoren dar.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Prozessfinanzierung durchaus branchenbedingte Tücken aufweist, wie einige prominente Beispiele zeigen. So stieg die Allianz schon 2011 aus dem Neugeschäft aus, 2017 veräußerte die Roland-Versicherung ihren Prozessfinanzierungsbereich. Ende 2018 meldete Calunius Capital einen vorübergehenden Rückzug aus dem Neugeschäft, 2019 erlebte der bisherige Branchenprimus, Burford Capital, ein Börsendesaster nach Berichten über angebliche Bilanzauffälligkeiten. Ein anderer Global Player, Vannin Capital, sagte seinen Börsengang ab und wurde später unter Aufgabe zahlreicher Standorte übernommen.

Auch die klassischen drei deutschen Prozessfinanzierer, darunter die FORIS AG, überzeugten über die Jahre jedenfalls aus Investorensicht nicht gerade mit herausragender Performance. Gleichwohl werden 2020 die Anziehungskräfte für Investoren größer sein als jemals zuvor und für mehr Kapital und Wettbewerb sorgen. Manch führender Private-Equity-Anbieter wartet mit dreistelligen Millionenbeträgen darauf, in den Markt einzusteigen.

 

Fortschreitende Spezialisierung

Doch es wird nicht dabeibleiben, dass neue Player hinzukommen. Die einzelnen Prozessfinanzierer werden sich vielmehr noch genauer überlegen, wie sie sich am Markt ausrichten. Schon in den vergangenen Jahren konnte man Trends zur Spezialisierung und zur Internationalisierung erkennen. So verfolgt IMF Bentham nicht erst seit dem Erwerb von Omni Bridgeway eine ‚Global Reach‘-Strategie. Die Legial AG aus München ist seit Jahren bekannt für ihren Schwerpunkt in der Zusammenarbeit mit Insolvenzverwaltern, und die Nivalion AG mit Sitz in der Schweiz hat sich seit 2016 einen ausgezeichneten Ruf für die Finanzierung großvolumiger Rechtsstreitigkeiten erarbeitet. Wieder andere Finanzierer spezialisieren sich im Massengeschäft auf bestimmte Rechtsgebiete (etwa Fluggastrechte oder den Widerruf von Darlehens- und Lebensversicherungsverträgen) oder gar auf einzelne Rechtsfälle wie den VW-Dieselkomplex.

In allen Bereichen wird der zunehmende Wettbewerbsdruck durch neue Player Veränderungen erzwingen. Zu erwarten ist, dass kapitalstarke Investoren zuerst die Segmente anvisieren, die sie für die profitabelsten halten: darunter das Highend- Geschäft internationaler Schiedsverfahren und die Portfolio-Finanzierung oder kapitalmarktnahe und kartellrechtliche Rechtsstreitigkeiten, in denen hohe Schadenssummen Begehrlichkeiten wecken. Hoher Wettbewerbsdruck ist zudem im Insolvenzrecht zu erwarten, das mit Restrukturierungswelle und in Deutschland günstigen Klägerperspektiven attraktiv für neue Player wird – Chance und Gefahr für Platzhirsche.

Eine hohe Kapitalkraft wird für Prozessfinanzierer noch wichtiger, weil etwa das Portfolio-Funding besonders kostenträchtig sind. Allerdings wird Kapital allein kaum reichen, denn es ist im Markt reichlich vorhanden und daher als echtes Unterscheidungskriterium nicht geeignet. Entscheidender wird der Dienstleistungsansatz sein. Neue, innovative, digitale und vor allem kundenorientierte Leistungen entscheiden den Wettbewerb des Jahres 2020 – vor allem die Bereitschaft, nicht nur Geld in ein Geschäftsmodell zu investieren, sondern gemeinsam mit Anwälten und Mandanten Lösungen zu entwickeln.

 

Individuellere Preismodelle

Die Häufigkeit, mit der Unternehmen direkt oder über ihre Anwälte Prozessfinanzierungen anfragen wird stark steigen. Außerhalb des (Verbraucher-) Massengeschäfts wird das Tailor-Made-Geschäft überwiegen. Dementsprechend werden individuelle Preismodelle verhandelt werden – und diejenige Seite begünstigen, die sich mit ihren Optionen inhaltlich mehr beschäftigt. Wir erwarten, dass großvolumige Finanzierungen eher günstiger für Kunden werden. Rechtsstreitigkeiten im mittleren Segment zwischen EUR 500.000 bis EUR 15 Mio. Streitwert werden sich in 2020 weiterhin an einem Wert von 30 Prozent als Erlösanteil für den Prozessfinanzierer orientieren – allerdings im Einzelfall mit einer hohen fall- und finanziererspezifischen Spreizung.

 

 

Pressekontakt:

FORIS AG
Conny Leuschner
Kurt-Schumacher-Straße 18-20
53113 Bonn

Tel.: +49 228 95750-21

E-Mail: presse@foris.de

 

newskontor GmbH
Graf-Adolf-Straße 20
40212 Düsseldorf

Tel.: +49 211 863949-0

E-Mail: foris@newskontor.de

 

Über die FORIS AG

Die FORIS AG gilt als Pionier der Prozessfinanzierung. Seit 1996, als sie die damals neuartige und heute weltweit anerkannte Dienstleistung in Deutschland einführte, übernimmt die FORIS AG die Kosten für Gerichtsprozesse und Schiedsverfahren gegen eine erfolgsabhängige Erlösbeteiligung. Insgesamt hat die FORIS AG in den vergangenen Jahren Prozesse mit einem Gesamtstreitwert von über 810 Millionen Euro finanziert und ihre Kunden dabei unterstützt, Konflikte risikoarm und effizient zu lösen. Unternehmen haben zudem die Möglichkeit, ihre Rechtsansprüche schon vor Beginn eines Gerichtsprozesses zu liquidieren (Cash Advance). Die FORIS AG zahlt im Einzelfall einen Teil der Forderung vorab aus und verschafft Unternehmen damit frühzeitig zusätzliche Liquidität. Die FORIS AG bietet Kunden und Kooperationspartnern daneben den Erwerb von Vorrats- und Projektgesellschaften an, um ihnen bei Unternehmensgründung und im Projektgeschäft mit schnellen und rechtssicheren Lösungen zur Seite zu stehen. Innerhalb der FORIS-Unternehmensgruppe steht mit der GO AHEAD ein leistungsstarker Partner für die Gründung und Betreuung ausländischer Gesellschaften zur Verfügung. Die GO AHEAD ist Marktführer bei Gründung und Verkauf von Limited-Gesellschaften. 2018 wurde das Angebot um die GO-AHEAD-Gründerakademie erweitert. In der Online-Akademie (www.go-ahead.de) wird Gründungsinteressierten das entscheidende Know-how für den Start in eine erfolgreiche Selbständigkeit vermittelt. Mehr Informationen finden Sie unter: www.foris.com

Kontakt ‐ Wir sind für Sie da
Ihr Ansprechpartner
Maren Thaysen
Maren Thaysen Vorstandsassistenz
Kontakt ‐ Wir sind für Sie da
Ihr Ansprechpartner
Maren Thaysen
Maren Thaysen Vorstandsassistenz